Kirchen weiterbauen – wenn neue Nutzung auf alte Räume trifft
Kirchen gehören zu den prägendsten Bauwerken vieler Städte und Regionen. Als sakrale Räume, soziale Treffpunkte und identitätsstiftende Landmarken sind sie tief im kollektiven Gedächtnis verankert. Gleichzeitig führt der gesellschaftliche Wandel dazu, dass immer mehr Kirchen ihre ursprüngliche Nutzung verlieren. Neue Konzepte für Kultur, Bildung oder Begegnung sind gefragt – doch genau hier liegt die Herausforderung: Kirchen lassen sich nicht einfach umbauen.
Zwischen Denkmal und neuer Nutzung
Die Transformation von Kirchen unterscheidet sich stark von klassischen Umbauaufgaben. Grosse Raumvolumen mit langen Nachhallzeiten, hohe Spannweiten und denkmalgeschützte Substanz treffen auf neue funktionale Anforderungen. Eingriffe sollen möglichst gering bleiben, gleichzeitig müssen Akustik, Brandschutz und Raumstruktur heutigen Standards entsprechen.
Hinzu kommt ein besonderer Anspruch: Kirchen sollen verändert, aber nicht verfremdet werden. Reversibilität, konstruktive Zurückhaltung und eine klare Trennung von Bestand und neuen Einbauten sind wichtige Leitlinien.
LIGNATUR-Deckenelemente als Systemlösung
Hier setzen die Lignatur-Deckenelemente an. Sie bündeln mehrere Funktionen in einem Bauteil: Tragwerk, Akustik, Brandschutz und auch Wärmedämmung. Damit ermöglichen sie Lösungen, die technisch präzise und gleichzeitig zurückhaltend im Eingriff sind.
Die hohe Vorfertigung erleichtert das Bauen im Bestand, während die sichtbare Holzoberfläche eine ruhige, warme Atmosphäre schafft. Insbesondere die integrierte Schallabsorption verbessert die Raumakustik deutlich – ein entscheidender Faktor für Versammlungs-, Kultur- und Bildungsnutzungen.
Drei LIGNATUR-Projekte – drei unterschiedliche Ansätze
Wie unterschiedlich Kirchenumnutzungen mit modernen Holzbau-Systemen umgesetzt werden können, zeigen drei Projekte:
St.-Jan-de-Doperkerk, Hoeven (NL)
In der Kirche St.-Jan-de-Doperkerk im niederländischen Hoeven wurde ein Gemeinschaftshaus in die bestehende Kirche integriert. Die Lösung folgt dem Prinzip «Haus im Haus»: In die historische Hülle wurde eine «Box» als eigenständiger Baukörper, angepasst an die heutigen Baustandards, eingefügt. Innerhalb der Box sind die tragenden Lignatur-Deckenelemente sichtbar und sorgen für eine angenehme Raumakustik. Ausserhalb der Box bleibt die bestehende Kirche als Raum erlebbar. Im Gegensatz zum unbeheizten Kirchenraum sind die Elemente wärmegedämmt.
Architektur: Oomen Architecten, Breda / NL
Holzbau: De Groot, Vroomshoop / NL
Fotos: Rob van Esch Architectuurfotograaf
Sint-Godelievekerk, Baliebrugge (BE)
Beim Projekt Sint-Godelievekerk im belgischen Baliebrugge beherbergt die alte Kirche gleich mehrere neue Nutzungen. Eine LIGNATUR-Geschossdecke trennt unterschiedliche Nutzungen: oben ein Bewegungsraum, darunter Kita, Gemeinderäume und ein Bereich für Gottesdienste. Die LIGNATUR Elemente sorgen für wirksamen Schallschutz zwischen den Nutzungen und eine angenehme Raumakustik.
Architektur: urbain architectencollectief, Gent / BE
Holzbau: Houtconstructie Desmyter bv, Roeselare-Beveren / BE
Fotos: Houtconstructie Desmyter bv
Sint-Martinuskerk, Burcht (BE)
Bei der Sint Martinuskerk im belgischen Burcht soll ein Multifunktionsraum entstehen, mit dem Ziel die Offenheit des Kirchenraums zu erhalten. Die Lösung besteht darin, in den Seitenschiffen zusätzliche Ebenen einzubauen, während im zentralen Kirchenschiff das ursprüngliche Volumen erlebbar bleibt. Die neuen Einbauten stehen auf einem neuen, weitgehend unabhängigen Tragwerk aus Stahl. Dieses greift so wenig wie möglich in die bestehende Bausubstanz ein. Darauf liegen die LIGNATUR-Elemente, die den Hall reduziert. Zudem erfüllen sie die heutigen Anforderungen an den Brandschutz, in diesem Fall REI60. Die Eingriffe bleiben klar ablesbar und können bei Bedarf wieder zurückgebaut werden.
Architektur: Korteknie Stuhlmacher Architecten, Rotterdam / NL
Restaurierungsspezialist: Sabine Okkerse Architectenbureau, Oudenaarde / BE
Holzbau: Charpentes Jonckheere Spanten, Colfontaine / BE
Visualisierungen: Korteknie Stuhlmacher Architecten
Weiterbauen als nachhaltige Strategie
Die drei Projekte zeigen exemplarisch, wie sich Kirchen weiterentwickeln lassen und einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. Der Weiterbau im Bestand erhält graue Energie und vermeidet CO₂-Emissionen. Holz als Baustoff verstärkt diesen Ansatz zusätzlich durch seine Speicherfähigkeit und Kreislauffähigkeit. Lignatur-Deckenelemente werden dabei zum verbindenden Element – technisch präzise, vielseitig einsetzbar und gestalterisch zurückhaltend.
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